Die hygienische Art Hände zu trocknen? LG untersagt irreführende Werbung von Dyson-Händetrockner

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05.04.2020 15:45 Uhr
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Die hygienische Art Hände zu trocknen? LG untersagt irreführende Werbung von Dyson-Händetrockner

Die Werbung "Nur Dyson ist hygienisch, ökonomisch und ökologisch. Für Papier gilt das nicht" wird das Unternehmen Dyson künftig nicht mehr verwenden dürfen. Das Landgericht (LG) Köln hat geurteilt, dass diese Werbung für den Verbraucher irreführend ist.

Intensiver Wettbewerb unter Herstellern

Was ist die hygienisch und ökologisch beste Variante, seine Hände zu trocknen? Diese Frage hat zu einem handfesten Rechtsstreit zwischen der Wettbewerbszentrale und dem Unternehmen Dyson geführt.

In Deutschland üblich sind eigentlich drei unterschiedliche Arten im öffentlichen Bereich seine gewaschenen Hände zu trocknen: Verbraucher können ihre Hände mit Papiertüchern oder unter Verwendung von Stoffhandtüchern trocknen oder ein Lufttrocknungssystem nutzen. Für welche dieser Varianten sich der Verbraucher entscheidet oder welches System angeboten wird, ist wohl meist Geschmackssache. Für die dahinter stehenden Hersteller führt diese Wahl zu einem intensiven Wettbewerb.
Doch der Streit über die „richtige Art des Händetrocknens“ entfachte vergangenes Jahr, als der britische Hersteller Dyson auf einer mit "Die Wahrheit über Hygiene" betitelten Unterseite seiner Homepage mit einem Video für den Verkauf seiner Lufthandtrockner warb. In zwei Teilen des Werbevideos wurde der Text eingeblendet "Nur Dyson ist hygienisch, ökonomisch und ökologisch. Für Papier gilt das nicht." Eine ziemlich deutliche Erklärung des Lufttrockner-Herstellers gegen alle Hersteller von anderen Handtrocknungssystemen.

Verschiedene Studien als Grundlage

Um diese Botschaft zu untermauern, hatte Dyson in seinem Video verschiedene Studien gegenübergestellt. Dabei soll es sich nach den Aussagen von Dyson einmal um Studien gehandelt haben, die von der Papierindustrie in Auftrag gegeben worden waren. Weiter wurden Studien genannt, die belegen sollten, dass die Anzahl von Bakterien, die nach Benutzung eines Lufthandtrockners übertragen werden, bei Benutzung eines Dyson Händetrockners tatsächlich um 40% reduziert wird.

Diese Studie war von Dyson selbst in Auftrag gegeben worden. Dies erwähnte das Unternehmen allerdings in seiner Werbung nicht. Bei einer weiteren Studie, die sich mit den Zuständen von Waschräumen mit Papierhandtuchspendern beschäftigt, war erst gar nicht erkennbar, wer die Studie erstellt hatte und wo diese veröffentlich worden war.

Wettbewerbszentrale geht von irreführender Werbung aus

So kam das Werbevideo nicht nur mit einer recht deutlichen Erklärung gegenüber Mitbewerbern, sondern zusätzlich mit einigen Fragen zur Grundlage der erwähnten Studien daher.

Die Wettbewerbszentrale beanstandete die Werbung von Dyson. Die Werbeaussage, die allein das Handtrocknungssystem von Dyson als hygienisch, ökonomisch und ökologisch betitelt, sei gerade aufgrund seiner pauschalisierten Aussage für den Verbraucher irreführend. Dass die Werbeaussage in ihrer Pauschalität zudem nicht den Empfehlungen von Experten entspreche, zeige beispielsweise, dass die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch Institut in Berlin für Einrichtungen des Gesundheitswesens ausdrücklich erklärt, dass Handwaschplätze mit Einmalhandtüchern ausgestattet sein sollen. Dagegen sollen Lufttrockner in medizinischen Einrichtungen ungeeignet sein. Ähnliches empfiehlt auch die  Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Hygiene beim Händewaschen. 
So einfach wie es sich Dyson in seiner Werbung gemacht hat, scheint es in der Realität also doch nicht zu sein. Vielmehr gebe es sehr unterschiedliche Untersuchungsergebnisse zur Handhygiene.

LG beschäftigt sich mit Händehygiene

Im Ergebnis hat sich auch das LG der Einschätzung der Wettbewerbszentrale angeschlossen. Auch die Richter halten die Werbung von Dyson für irreführend. Denn anders als das Unternehmen in seinem Werbevideo suggeriert, werde über die Hygiene mit Einmal-Papiertüchern und Luftrocknern kontrovers diskutiert. Dass Lufttrockner in jedem Fall die hygienische Alternative sind, steht, anders als das Unternehmen in seiner Werbung erklärt, keineswegs fest.

Auch mit den unterschiedlichen Studiengrundlagen der Werbung hat sich das LG beschäftigt. Dabei stellten die Richter eindeutig klar, dass Dyson bei der Studie zur Übertragung von Bakterien darauf hätte hinweisen müssen, dass diese von Dyson selbst in Auftrag gegeben worden war. Bei der erwähnten Studie zu Papierhandtüchern war ausdrücklich auf die Urheberschaft verwiesen worden. Gerade dieser Unterschied zur eigenen Studie erwecke den Eindruck, es handele sich bei dieser Studie im Gegensatz zu den anderen nicht um eine "Auftragsstudie". Zudem stellte das Gericht klar, dass bei der Werbung mit Studien, ähnlich wie bei der Werbung mit Testergebnissen, ein Hinweis erforderlich sei, welche Institution die Studie durchgeführt habe und wo diese Studie zu finden sei. Diese Grundlagen zur Zulässigkeit der Werbung seien hier nicht eingehalten worden. Dyson habe daher intransparent mit einer eigenen Auftragsstudie geworben, so das Gericht. Insgesamt stellt sich damit ein Verstoß gegen das Werberecht heraus (Urteil v. 11.03.2020; Az.: 84 O 204/19).

Weitere Informationen zur irreführenden Werbung erhalten Sie auch unter: https://www.rosepartner.de/irrefuehrende-werbung-abmahnung.html

Rechtsgebiete: 
Werberecht
Schlagworte: 
Irreführende Werbung
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