Influencer auch beim Eigenkauf nicht vor Abmahnungen sicher

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27.10.2017 11:40 Uhr
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Influencer auch beim Eigenkauf nicht vor Abmahnungen sicher

In der jungen Szene der sog. Influencer auf sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook herrscht weitestgehend Verunsicherung, wenn es um die Kennzeichnung von Werbung geht. Die vermehrten Abmahnungen von Verbraucherschutzverbänden zeigen, dass selbst beim Eigenkauf ein Abmahnrisiko besteht.

Selbst gekauft und trotzdem Schleichwerbung?

Viele Influencer glauben, dass bezüglich selbst gekaufter Produkte überhaupt keine Kennzeichnungspflicht besteht – diese generelle Annahme ist schlicht falsch.
Im Grundsatz gilt, dass solange ein Beitrag einen klar werblichen Charakter hat, es unerheblich ist, ob die Produkte selbst gekauft wurden oder von einem Unternehmen zur Verfügung gestellt wurden. Es kann also auch bei selbst gekauften Produkten grundsätzlich ein Abmahnrisiko bestehen.

Allgemeine Kennzeichnungsplicht bei Sponsoring

Klarer ist die Rechtslage bei gesponserten Beträgen. Werden Influencer von Unternehmen gegen ein Entgelt für das bewerben ihrer Produkte in Beiträgen bezahlt, müssen diese Beiträge deutlich als Werbung gekennzeichnet werden.
Schwieriger ist dies bei selbst gekauften Produkten zu beantworten. Da sich in der vergangenen Zeit die Abmahnungen der Verbraucherschutzverbänden häufen, kann in Zukunft mit vermehrten Urteilen zu dieser Fragestellung gerechnet werden.

Es besteht Gefahr der Eigenwerbung

Die Frage ist also, warum bei selbstgekauften Produkten trotzdem eine Kennzeichnungspflicht bestehen kann.
Gerade im Bereich der Eigenwerbung können sich Kennzeichnungspflicht ergeben.
Kritische Fälle sind die, in denen der Influencer ein Produkt eigenständig erwirbt, dieses Produkt aber in seinem Post im Zusammenhang mit dem Verkauf eines eigenen Produktes oder Dienstleistung bringt.
Beispielweise, wenn ein Influencer einen Mixer erwirbt, um darauf hinzuweisen, dass man mit diesem Mixer besonders gut die eigenen Proteinshakes mixen kann, die man beim Influencer käuflich erwerben kann. Dies wäre dann als eine klassische Eigenwerbung zu klassifizieren und muss daher auch gekennzeichnet werden.

Auch ohne Gegenleistung kann Schleichwerbung vorliegen

Grundsätzlich hat die Rechtsprechung schon festgestellt, dass auch ohne ein entsprechendes Entgelt eine Schleichwerbung möglich sein kann, wenn ansonsten die Voraussetzungen der Schleichwerbung erfüllt sind. Im Ergebnis kommt es nämlich nicht darauf an, ob das Produkt mit oder ohne die Veranlassung des Herstellers gekauft wurde, wenn ansonsten das Produkt positiv dargestellt wird und ein eindeutiger werblicher Charakter zu bejahen ist. Unterbleibt dann eine Kennzeichnung als Werbung, liegt auch ohne ein bezahltes Entgelt eine Schleichwerbung vor.
Daher empfiehlt es sich für Influencer, lieber einmal mehr einen Beitrag als Werbung zu kennzeichnen, bis die Rechtsprechung präzise Kriterien für Kennzeichnungspflichten geschaffen hat. Ansonsten ist die Gefahr einer Abmahnung auch bei selbst gekauften Produkten stets vorhanden.

Weitere Informationen zum Thema Schleichwerbung erhalten Sie auch auf der Seite von ROSE&PARTNER: https://www.rosepartner.de/schleichwerbung-product-placement.html

Rechtsgebiete: 
Werberecht
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