Familienrecht –Änderung des Betreuungsmodells nur aus triftigen Grund

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19.11.2018 15:26 Uhr
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Familienrecht –Änderung des Betreuungsmodells nur aus triftigen Grund

Das Oberlandesgericht in Frankfurt am Main hat nun klagestellt, dass die Änderung eines einmal gerichtlich festgelegten Betreuungsmodels nach der Trennung der Eltern nur aus einem triftigen Grund zum Wohle des Kindes erfolgen kann.

Mutter sollte die Betreuung der Kinder übernehmen

Dem Urteil des OLG Frankfurt (Beschluss v. 16.10.2018; Az.: 1 UF 74/18) geht ein familienrechtlicher Streit um die Betreuungsfrage voraus. Nach der Scheidung der Eltern hatte ein Familiengericht einer Mutter nach dem sog Residenzmodell die überwiegenden Betreuung der gemeinsamen drei Kinder zugesprochen. Zwei Jahre nach der Entscheidung des Gerichts beantragte allerdings der Vater das überwiegende Aufenthaltsrecht der Kinder. Er wollte künftig die Betreuung überwiegend übernehmen. Nach der Einholung eines Sachverständigengutachtens wies das Familiengericht den Antrag des Vaters allerdings zurück, obwohl sich die Kinder sogar für einen künftigen Aufenthalt beim Vater ausgesprochen hatten. Letztlich hatte nun das OLG die Frage des Betreuungsmodels neu zu entscheiden.

OLG hält an Erstentscheidung fest

Die Richter am OLG stellten grundsätzlich fest, dass keines der gesetzlich vorgesehenen Betreuungsmodelle Vorrang genieße. Sowohl das Residenzmodell, bei dem ein Elternteil die überwiegende Betreuung der Kinder übernimmt, als auch das Wechselmodell, bei dem sich die Eltern die Betreuungsaufgabe gleichermaßen teilen, seien danach vorgesehen. Für jeden Einzelfall müsse dann geschaut werden, welches Modell zu den Bedürfnissen der Kinder und der Familie am besten passe.
Für die Entscheidung, welches Modell bevorzugt werde, spielen dann viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Dazu zählen die Befähigung der Eltern, die Bindung der Kinder zu dem jeweiligen Elternteil und auch der Kindeswille. Dabei müsse allerdings geprüft werden, ob der Wille des Kindes auch tatsächlich mit seinem Wohl zu vereinbaren und zudem autonom gebildet worden sei. Gerade im vorliegenden Fall war die Frage nach der autonomen Entscheidung der Kinder problematisch, da ein Gutachten beim Vater „Beeinflussungstendenzen“ gegenüber seinen Kindern festgestellt hatte. Damit wurde im vorliegenden Fall der Kindeswille als weniger bedeutend eingestuft.

Kein triftiger Grund für Änderung

Im Ergebnis stellten die Richter in Frankfurt auch fest, dass grundsätzlich der Erstentscheidung zu einem bestimmten Betreuungsmodell einiges an Gewicht zuzusprechen sei. Änderungen dieser Entscheidung seien damit nur gerechtfertigt, wenn triftige Gründe des Kindeswohls gerade für eine solche Änderung sprechen. Solche besondere Gründe waren nach Ansicht des Gerichtes aber vorliegend gerade nicht gegeben. Damit sei auch von der Erstentscheidung zugunsten des Vaters nicht abzuweichen. Damit bleibt die Klage des Vaters vorliegend auch vor dem OLG erfolglos. 

Weitere Informationen zum Familienrecht finden Sie auch unter: https://www.rosepartner.de/wechselmodell-vorteile-nachteile.html

Rechtsgebiete: 
Ehe- und Familienrecht
Schlagworte: 
Wechselmodell
Residenzmodell
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