Wie man durch Fehler im Erbfall viel Geld vernichten kann

Rechtstipps in der Bibliothek
25.09.2017 16:58 Uhr
Krau Rechtsanwälte, Hohenahr
Mitteilungen von Krau Rechtsanwälte abonnieren
Social Web
Wie man durch Fehler im Erbfall viel Geld vernichten kann

Erbrecht ist nicht einfach. Die Rechtsprechung entwickelt sich fort. Verwandte Rechtsmaterien wie Sozialrecht und Steuerrecht ändern sich häufig. Die Gerichte müssen sich daher oft mit Schadensersatzfällen befassen, in denen Berater sich für fehlerhafte Gestaltungen zu verantworten haben.

Nachfolgend möchte ich Ihnen einige Fälle vorstellen, in denen Erblasser unberaten oder durch falsche Beratung Schiffbruch erlitten haben. Vielleicht hilft Ihnen das, solche Fehler zu vermeiden.

Beispielsfall 1: Das Berliner Testament ist nicht immer das Richtige
Wir schreiben das Jahr 1975. Die Eheleute Sparsam, 42 und 45 Jahre alt, haben ein Haus und ein wenig Erspartes, Wert zusammen DM 300.000. Für ihre Nachfolgeplanung habe sie zwei Wünsche:

Der überlebende Ehegatte soll seinen bisherigen Lebensstandard beibehalten können.
Nach dem Tod beider Ehegatten sollen die Kinder zu gleichen Teilen das gesamte Vermögen erhalten.

Die Lösung ist scheinbar einfach: Ein Berliner Testament erfüllt beide Wünsche. Es hat daher insbesondere im ländlichen Bereich mittlerweile Bereich einige Beliebtheit erlangt.

Otto Sparsam schreibt also mit Kuli auf einen Zettel: „Testament – Unser letzter Wille: – Wir, die Eheleute Sparsam, setzen uns gegenseitig zu alleinigen Erben ein. Erben des Letztversterbenden sollen unsere Kinder zu gleichen Teilen werden. Hohenahr, den 20.11.1975, Otto Sparsam“

Die Frau schreibt darunter: „Dies ist auch mein letzter Wille, Hohenahr, den 20. 11. 1975, Hertha Sparsam“.

Soweit so gut. Die Eheleute Sparsam haben ihre Ziele erreicht. Das Testament ist wirksam. Aber das Leben geht nach Formulierung eines Testamentes weiter und das alte Testament kann dann irgendwann unpassend werden, wie ein Anzug, aus dem man herausgewachsen ist.

So ist in unserem Fall der Schreinerbetrieb von Herrn Sparsam seit 1975 erheblich expandiert. Als Herr Sparsam schließlich 2009 verstirbt, hinterlässt er ein Vermögen in siebenstelliger Höhe. Die Witwe zeigt das Testament aus dem Jahr 1975 einem Berater. Dieser informiert sie, dass sie als Alleinerbin mit einer erheblichen Erbschaftsteuerbelastung rechnen muss. Im Hinblick auf das erheblich gewachsene Vermögen sei es unglücklich, dass nur sie allein erbt und daher auch nur sie ihre steuerlichen Freibeträge geltend machen kann. Die Freibeträge der Kinder blieben ungenutzt. Im schlimmsten Fall greife der Fiskus später nach dem Tod der Witwe auch noch einmal bei den Kindern zu.

Dieser Fall zeigt, dass das Berliner Testament in Reinform bei größeren Vermögen eher nicht die richtige Lösung ist. Hier hätte es sich empfohlen, das Testament zu Lebzeiten von H. Sparsam zu ergänzen und zugunsten der Kinder etwa Vermächtnisse auszusetzen. Dann hätten auch die Kinder ihre Freibeträge schon nach dem ersten Erbfall ausnutzen können.

Doch der Berater weiß eine Lösung. Er rät, dass die Kinder ihren Pflichtteil geltend machen. Viele übersehen, dass durch das Berliner Testament die Kinder für den Todesfall des ersten Ehegatten enterbt werden, weil eben der übertlebende Ehegatte zunächst einmal alles erhält. Dadurch entsteht ein Pflichtteilsanspruch für die Kinder. Dieser sollte hier von den Kindern geltend gemacht werden, um die Freibeträge zu retten.

Was lernen wir aus diesem Fall?

Ein Testament sollte nach einigen Jahren oder wesentlichen Veränderungen in den Lebensverhältnissen überprüft werden.
Dazu sollte ein qualifizierter Berater eingeschaltet werden. Abschreiben von Mustern ist Sparen am falschen Platz!
In unserem Fall wollten eigentlich die Kinder Sparsam „ihrer Mami gar nichts wegnehmen.“ Sie sagten sich, „wir kriegen doch nach dem Tod der Mami alles“ und mussten erst vom Berater überzeugt werden, dass es ihr gutes Recht ist den Pflichtteil zu verlangen. Diese Haltung war früher weit verbreitet. So wurden im ländlichen Raum auch oft Erbengemeinschaften über Jahrzehnte nicht auseinandergesetzt. Das ändert sich langsam. Nicht jede Witwe geht mit dem ererbten Vermögen sorgsam um. Nicht jeder Abkömmling will heute warten, bis auch der längerlebende Ehegatte verstirbt.

Es sind aber nicht alle Familien so gut situiert, wie in unserem Fall die Sparsams. Dann kann ein geltend gemachter Pflichtteil den überlebenden Ehegatten in Finanznöte bringen, schlimmstenfalls muss das Familienheim verkauft werden, um die Pflichtteilsansprüche der Abkömmlinge erfüllen zu können. Daher müssen Strategien entwickelt werden, um die Geltendmachung des Pflichtteils nach dem Tod des erstversterbenden Ehegatten zu verhindern. So kann man in die letztwillige Verfügung die Regelung aufnehmen, wonach der Abkömmling, der nach dem Tod des Erstversterbenden gegen den Willen des überlebenden Ehegatten seinen Pflichtteil verlangt, auch nach dem Tod des längerlebenden Ehegatten auf den Pflichtteil gesetzt werden soll. Andere Lösungen bieten etwa Erbverträge mit Pflichtteilsverzicht.

Beste Empfehlungen,

Ihr Andreas Krau
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Erbrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

Rechtsgebiete: 
Erbrecht
Schlagworte: 
Testament
noch Fragen zu diesem Aufsatz? Melden Sie sich jetzt kostenlos an um über diesen Aufsatz zu diskutieren oder Fragen zu stellen.
Hier klicken zur Anmeldung.
Weitere Rechtstipps und Aufsätze der Kanzlei Krau Rechtsanwälte

Wie man durch Fehler im Erbfall viel Geld vernichten kann : zurück zum Anfang
Dieser Inhalt wurde erstellt durch Krau Rechtsanwälte und wurde nicht weiter redaktionell geprüft. Sollte dieser Inhalt Rechte verletzen oder anderweitig fragwürdig sein, benachrichtigen Sie uns bitte.
Die hier veröffentlichten Informationen stellen lediglich allgemeine Hinweise dar. Durch die Zurverfügungstellung dieser Informationen kommt weder ein Vertrag mit dem Leser zustande, noch kann hierdurch eine fundierte rechtliche Beratung ersetzt werden. Es wird keine Haftung übernommen im Hinblick auf Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen.
© Alle Rechte verbleiben beim Autor, eine Wiedergabe über egal welches Medium bedarf der Erlaubnis.

Service Service

Bewertung und Servicefunktionen für Wie man durch Fehler im Erbfall viel Geld vernichten kann
Bislang keine QuickRates vorhanden.

Anzeigen

Kompetente Rechtsanwälte im Internet finden

Content cloud

  • Testament
  • Sparsam
  • Kinder
  • Ehegatten
  • Pflichtteil
  • Vermögen
  • Berater
  • Freibeträge
  • Berliner
  • Eheleute
  • Ehegatte
  • Erbrecht
  • Lösung
  • Dieser
  • Witwe
  • überlebenden
  • Abkömmling
  • Fachanwalt
  • Hohenahr
  • Wünsche

Ähnlich

Recht für Jedermann - Wie man durch Fehler im Erbfall viel Geld vernichten kann
Recht für Jedermann! Uuups das ging daneben..
Recht für Jedermann

Hinweis und Information

Kanzlei-Seiten.de ist das Premiumportal der proxiss GmbH im Bereich Online Kanzleimarketing, Rechtsanwälte und Mandanten. Alle Produkte unseres Bereichs werden über dieses Portal gesteuert. Kanzlei-Seiten.de ist mehr als ein Branchenverzeichnis, wir sind das soziale Netzwerk im Bereich Recht.
Vielen Dank für Ihr Interesse.

Weiterempfehlen

Nutzen Sie unseren kostenlosen Mail-Service um Wie man durch Fehler im Erbfall viel Geld vernichten kann per Email zu empfehlen