Kann ich mich auf das Schadensmanagement des Versicherers verlassen oder sollte ein Rechtsanwalt eingeschalten werden

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14.01.2012 23:28 Uhr
(Letzte Überarbeitung: 20.10.2017 22:03 Uhr)
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Kann ich mich auf das Schadensmanagement des Versicherers verlassen oder sollte ein Rechtsanwalt eingeschalten werden

Schadensmanagement versus eigenem Rechtsanwalt bei der Unfallregulierung im Straßenverkehr

Immer wieder erleben wir es nach einem Verkehrsunfall, dass der Geschädigte der Meinung ist, der gegnerische Versicherer müsste und würde sich um ihn kümmern und möglichst noch im Interesse des Geschädigten oder zumindest objektiv den Unfall aufklären und dann "alles bezahlen". Die Sache sei ja klar. Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn die Erkenntnis einsetzt, dass dem eben nicht ganz so ist.

Ursache dieses Irrglaubens ist das von Haftpflichtversicherern eingeführte aktive Schadensmanagement. Dieses soll insbesondere bei klaren Fällen - z.B. einem Auffahrunfall oder nehmen der Vorfahrt - retten, was für die Versicherer noch zu retten ist. Die Haftung dem Grunde nach bzw. die zu regulierende Quote kann man in solchen Fällen vielleicht nicht mehr drücken, wohl aber die Schadenshöhe.

Es findet ein Wettlauf der Versicherer gegen die Zeit statt. Die Mitarbeiter rufen Geschädigte an und wollen sich um alles kümmern. Teilweise werden auch Standardschreiben verschickt, in dem mitunter auch verkürzt offensichtliche Schadensersatzansprüche dargestellt werden - etwa Mietwagenkosten oder Nutzungsausfall. Es wird vorgeschlagen, sich um einen Sachverständigen zu kümmern und den entstandenen Schadens so zu ermitteln. Man sucht auch eine Werkstatt und stellt einen Ersatzwagen.

Dadurch entsteht der irreführende Eindruck, es würde umfassend und zugunsten des Geschädigten reguliert werden, also ein Rund-um-sorglos-Paket.

Dies ist falsch und sollte man sich immer wieder vor Augen führen.

Einige Kollegen vertreten die Auffassung, dass damit der Bock zum Gärtner gemacht wird. Der Schädiger in Gestalt der Versicherung wird damit in die Lage versetzt, zu einem Teil darüber mitzubestimmen, wie viel sie bezahlen muss. Versicherer sind privatwirtschaftlich organisierte gewinnorientierte Unternehmen. Es liegt in deren Interesse Kosten zu senken und nicht zu erhöhen. Dafür gibt es eine Vielzahl von Stellschrauben.

1. Es wird ein Gutachter des Versicherers gewählt.
Dieser kann gegenüber dem Versicherer wesentlich weniger abrechnen und ist an diesen gebunden. Die Konsequenz ist, dass er mehr Gutachten schreiben muss bzw. vermutlich weniger Zeit auf ein Gutachten verwenden kann.

Entscheidender ist aber, dass die Schadensermittlung nicht fest ist, sondern es viele Stellschrauben gibt. Je nachdem, ob man nun in Grenzfällen dieses oder jenes Bauteil als auszutauschen oder nur gerade zu biegen oder gebraucht oder gar nicht zu ersetzen, erhöhen oder reduzieren sich die Reparaturkosten drastisch.

Der Reparaturumfang fällt bei einem Gutachter des Versicherers im Zweifel geringer aus. Der von Ihnen frei gewählte Gutachter wird auf Nummer sicher gehen und alle Bauteile im Anstoßbereich ersetzen lassen, auch wenn diese auf den ersten Blick nicht beschädigt sind. Geringe Veränderungen und insbesondere Mikrorisse können Sie aber nun mal nicht sehen. Dies betrifft insbesondere den Bereich der Räder, Radaufhängung und Lenkung.

Der Reparaturweg wird günstiger gewählt. So haben wir uns in Fällen darum gestritten, ob nach der Reparaturanweisung des Herstellers das Seitenteil ausgetauscht oder nach Auffassung des Versicherungsgutachters nur gerade gebogen und gespachtelt wird.

Ein weiterer Streitpunkt ist der Wiederbeschaffungswert. Dieser ist nicht nur bei der direkten Höhe des Schadens maßgeblich, sondern auch für die Frage, ob man gezwungen ist auf die für den Versicherer günstigere Totalschadensabrechnung zu wechseln oder doch die wesentlich höheren Reparaturkosten bekommt und sein Auto behält. Kleine Änderungen in der Kalkulation sparen der Versicherung hier tausende Euro.

Ein verunfalltes Auto wird im Hinblick auf das Risiko, dass nicht richtig repariert wurde bzw. nicht alles beseitigt werden kann, auf dem Markt einen Preisabschlag erhalten - die merkantile Wertminderung. Nach Auffassung vieler Versicherungsgutachter fällt diese nur bei neuesten Wagen an, die freien Gutachter und z.T. die Rechtsprechung sehen das aber anders und billigen auch bei älteren PKW einen zu entschädigenden (ggf. auch höheren) Betrag zu.

2. Es wird das Einschalten eines Rechtsanwaltes vermieden.
Dieser Anwalt nimmt dem Geschädigten nicht nur einen Großteil des Schriftverkehrs ab, nein er kostet natürlich auch Geld, welches der Versicherer bezahlen muss.

Dazu kommt aber auch noch, dass er den Sachverhalt untersucht, hilft Beweise zu sichern und weitere und höhere Schadenspositionen begründen kann. Er kann mindestens auf Augenhöhe mit den geschulten Schadensbearbeitern des Versicherers verhandeln und wird daher nicht so schnell abgebürstet.

In fast jedem Fall wird durch die Einschaltung eines Anwaltes für den Geschädigten mehr herausgeholt und es damit für die Versicherung eindeutig teurer.

3. Es wird eine Vertragswerkstatt des Versicherers gewählt.
Dies hat für den Versicherer den Vorteil, dass die Werkstatt zu günstigeren Stundensätzen und Ersatzteilkosten repariert. Die Kosten für den Versicherer sinken. Die könnte dem Geschädigten theoretisch vielleicht egal sein, soweit die Leistung die gleiche ist.

Aber warum gehen Sie immer in Ihre Vertragswerkstatt die den Wagen kennt und nicht in eine beliebige andere Werkstatt, die vielleicht nur hin und wieder diesen Typ bearbeitet, die aufgrund der geringeren Stundensätze vielleicht auch nicht die gleiche Zeit für den Wagen haben können? Was ist wenn es später zu Ausfällen und Streit über die Qualität kommt. Wir lassen unsere Wagen immer in derselben Werkstatt warten und haben daher die Möglichkeit bei Problemen nicht zwischen den Werkstätten oder der Ursache suchen zu müssen. Mitunter gibt es aber auch einen Schaden an Ihrem Fahrzeug, den Ihre Werkstatt als Kulanz im Rahmen der eigentlichen Reparatur gleich mit macht bzw. zu günstigeren Konditionen. Sie haben freie Werkstattwahl.

4. Es wird ein medizinischer Gutachter des Versicherers gewählt
Wird dieser Ihnen den gleichen Einschränkungsgrad (MDE) oder Dauerschaden attestieren wie andere Gutachter auch? Ist er vielleicht eher restriktiv und wird deshalb gern vom Versicherer gewählt?

Fazit:
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Geschädigte sich nicht darauf verlassen kann, dass sein Gegner in seinem Interesse selbstlos alles reguliert. Holen Sie sich Verstärkung und nehmen sich von Anfang an einen Anwalt.
Steigen Sie nicht allein in den Ring, sondern entlasten sich durch den Anwalt, der auf Kosten des Versicherers auch mehr für Sie herausholt. Erfahrungsgemäß kann eine Unfallregulierung in den meisten Fällen vorgerichtlich abgeschlossen werden und der Geschädigte erspart sich somit einen Prozess.

Martin Bandmann
Rechtsanwalt und
Fachanwalt für Verkehrsrecht

www.rechtsanwalt-bk.de

Die Unfallregulierung bzw. die Geltendmachung von Schadenersatz aus Verkehrsunfällen oder anderen Ereignissen ist einer der Schwerpunkte unserer anwaltlichen Tätigkeit bei Bandmann & Kollegen (Rechtsanwälte & Fachanwälte). Diese erfolgt über die Region von Bautzen, Cottbus, Weißwasser oder Senftenberg weit hinaus. Sie erreichen uns aber auch vor Ort als Ihr direkter Ansprechpartner.

Rechtsgebiete: 
Schadenersatzrecht
Schadensersatz- & Schmerzensgeldrecht
Verkehrsrecht
Schlagworte: 
Schadenersatz
Verkehrsunfall
Schadensersatz
Schadensmanagement
Versicherer
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