Fristgemäße Kündigung durch den Arbeitgeber - was nun?

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22.02.2011 14:25 Uhr
(Letzte Überarbeitung: 26.01.2018 20:10 Uhr)
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Fristgemäße Kündigung durch den Arbeitgeber - was nun?

Fristgemäße Kündigung durch den Arbeitgeber - was nun?

An einem Arbeitsvertrag hängt nicht nur das Gehalt, sondern auch soziale Absicherung, Selbstbestätigung und Bekanntschaften. Eine Kündigung ist, egal wie absehbar und wirtschaftlich vielleicht nachvollziehbar oder auch nicht, oft erst einmal ein Schock.

Wichtig ist, dass Sie Ruhe bewahren, nichts unüberlegt unterschreiben und sich auch nicht zu unbedachten Äußerungen aufgrund der Kündigung hinreißen lassen. Das Drohen etwa mit "Krankmachen" hilft nicht weiter.

1) Arbeitslos melden
Melden Sie sich innerhalb von 3 Tagen bei der Bundesagentur für Arbeit (Arbeitsamt) arbeitslos und zeigen die Kündigung an. Ansonsten riskieren Sie eine Sperrfrist von 1 Woche und den Verlust von Arbeitslosengeld. Sie verlieren also Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld / Krankenversicherungbeitrag etc.für diese Zeit, was nicht unerheblich ist.

2) Keinen Aufhebungsvertrag vorschnell unterschreiben
Unterschreiben Sie nach der Kündigung keinen Aufhebungsvertrag oder kündigen aus Wut noch einmal selber. Soweit Sie ohne sehr triftigen Grund selbst die Arbeitslosigkeit verschuldet haben - etwa durch Abschluss eines Aufhebungsvertrages  oder Eigenkündigung - wird die BA gegen Sie eine Sperrfrist von 12 Wochen verhängen. Dies sind rund 3 Monate Arbeitslosengeld, Krankenkassenbeiträge etc! Eine Ausnahme hat das Bundessozialgericht bei Führungskräften gesehen, da hier die Kündigung einen Makel und Erschwernis des Fortkommens darstellt, dies sollte aber im Einzelfall geprüft werden.

3) Lassen Sie sich anwaltlich beraten
Innerhalb von 3 Wochen ab Zugang der Kündigung muss die Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht, z.B. in Senftenberg, Cottbus oder Bautzen, eingereicht werden. Andernfalls ist die Kündigung (in fast allen Fällen) nicht mehr rechtlich angreifbar.
Eine Kündigungsschutzklage lohnt sich z.B. dann, wenn der Arbeitgeber die Formalien einer Kündigung oder die Kündigungsfrist nicht eingehalten hat. Gerade bei vielen Kleinbetrieben wird aus meiner Erfahrung die Kündigungsfrist regelmäßig falsch berechnet oder gar nicht eingehalten. Mitunter hapert es sogar bei den Formalien einer Kündigung.
 
Soweit das Kündigungsschutzgesetz Anwendung findet, ist es für den Arbeitgeber wesentlich schwerer einem Arbeitnehmer zu kündigen. Ebenso kann sich aus einem Tarifvertrag oder Spezialvorschriften (z.B. werdende Mutter, Betriebsrat u.ä.) ein besonderer Schutz ergeben. Damit verschiebt sich das Prozessrisiko nochmals zu Lasten des Arbeitgebers. In vielen Fällen wird daher der Kündigungsstreit vor dem Arbeitsgericht durch einen Vergleich und die Zahlung einer Abfindung beendet.

4) Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis
Nach der Kündigung sollte geprüft und geregelt werden, welche Ansprüche Sie aus dem Arbeitsverhältnis noch haben.

Neben einem Zwischenzeugnis sofort und einem Arbeitszeugnis sind dies oft Urlaub, Urlaubsabgeltung, Überstundenabgeltung oder ausstehender Lohn.  Hier ist zu prüfen, ob in einem Tarifvertrag oder dem Arbeitsvertrag Ausschlussfristen festgelegt sind und vorsorglich zeitnah alle möglichen Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber geltend gemacht werden müssen. Verschenken Sie nicht leichtfertig erworbene Ansprüche.

5) Kosten
Schalten Sie einen Anwalt ein, der vertieft Arbeitsrecht und Kündigungen bearbeitet. Dieser kennt den Verfahrensablauf, die möglichen Probleme vor dem Arbeitsgericht und die Ihnen zustehenden Ansprüche. Hierdurch entstehen natürlich Kosten. Beim Arbeitsgericht besteht in der ersten Instanz die Besonderheit, dass man auch bei einem Obsiegen die Kosten nicht vom Unterliegenden erstattet erhält. Dennoch lohnt sich regelmäßig wirtschaftlich gesehen die Klage.
Der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung für Arbeitsrecht ist bei sich abzeichnendem Personalabbau dringend anzuraten. Diese übernimmt dann die oben genannten Kosten, so dass man (wirtschaftlich gesehen) nur gewinnen kann. Bei geringen Einkommen kommt Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe in Betracht.

Rechtsanwalt Bandmann
Rechtsanwälte Bandmann & Kollegen
in Hoyerswerda und Cottbus

www.rechtsanwalt-bk.de

Herr Rechtsanwalt Bandmann bearbeitet vertieft u.a. das Arbeitsrecht (u.a. Kündigung, Kündigungsschutzklage, ausstehender Lohn, Urlaubsabgeltung).
Nicht nur in Cottbus, Hoyerswerda, Bautzen oder Senftenberg, sondern über die Region hinaus berät und vertritt er als Rechtsanwalt Arbeitnehmer, und Arbeitgeber in allen Fragen rund um das Arbeitsrecht. Den theoretischen Kurs zum Fachanwalt für Arbeitsrecht einschließlich der dazu gehörenden Klausuren hat er erfolgreich abgeschlossen und bildet sich regelmäßig im Arbeitsrecht und Kündigungsrecht fort.

Rechtsgebiete: 
Arbeitsrecht
Arbeitsrecht
Arbeitsvertragsrecht
Tarifrecht
Schlagworte: 
Kündigung
Kündigungsschutzklage
Arbeitsrecht
Urlaubsabgeltung
Arbeitsgericht
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