Auch ein verschwundenes Testament ist wirksam

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14.11.2013 11:14 Uhr
Anwaltskanzlei Riedel, Baden-Baden
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Auch ein verschwundenes Testament ist wirksam

Der letzte Wille eines verstorbenen Angehörigen ist manchmal schwer nachzuvollziehen. Noch schwieriger wird es für die Familienangehörigen, wenn der Verstorbene zwar ein Testament errichtet hat, dieses aber nicht mehr auffindbar ist, weil der Erblasser es verlegt oder mit anderen Unterlagen versehentlich weggeworfen hat. Der Familienzwist ist dann meist vorprogrammiert, denn ein Testament schafft nicht nur Erben, es enterbt meist auch die gesetzlichen Erben.

Die Beweisführung ist äußerst schwierig

Die gute Nachricht für den Erblasser und die im Testament eingesetzten Erben lautet: Auch ein verschwundenes Testament ist grundsätzlich wirksam. Weiß ein Angehöriger also sicher, dass der Erblasser ein Testament errichtet hat und kennt er dessen Inhalt, so kann der letzte Wille des Verstorbenen auch durchgesetzt werden, ohne dass das Originaltestament dem Nachlassgericht vorliegt.
Die schlechte Nachricht dagegen lautet: Die Beweisführung ist äußerst schwierig. Wer sich darauf beruft, in einem verschwundenen Testament als Erbe eingesetzt worden zu sein, der muss nicht nur den Inhalt des Testaments nachweisen, sondern auch, dass das Testament wirksam errichtet worden ist.

Die notarielle Beurkundung ist nicht notwendig

Grund hierfür ist die vom Gesetzgeber normierte Testierfreiheit. Der letzte Wille eines Erblassers ist - so das Gesetz - zu ergründen, zu respektieren und durchzusetzen. Für die Errichtung eines Testaments reicht es grundsätzlich aus, dass dieses per Hand geschrieben und unterschrieben wird und mit einem Datum versehen ist. Eine notarielle Beurkundung ist dagegen nicht vorgeschrieben. Ein solches handschriftliches Testament kann der Erblasser jederzeit ändern, ergänzen oder widerrufen. Vernichtet der Erblasser sein Testament, etwa indem er es in den Reißwolf steckt, verbrennt oder wegwirft, so vermutet das Gesetz, dass er das Testament widerrufen wollte. Der Teufel steckt hier also buchstäblich im Detail, denn der Nachweis, dass der Erblasser sein Testament nicht bewusst vernichtet hat, ist im Zweifelsfall schwer zu führen. 

Wie schwierig die Beweisführung im Einzelfall ist, zeigen zwei kürzlich ergangene Urteile:

In der vom Oberlandesgericht München mit Beschluss vom 22.04.2010 entschiedenen Fallkonstellation (Az 31 Wx 011/10t) hatte ein Erblasser mehrere handschriftliche Testamente erstellt, die auch aufgefunden und beim Nachlassgericht abgegeben worden waren. Eines seiner Kinder behauptete nun, der Verstorbene habe kurz vor seinem Tod ein neues Testament errichtet, indem er als Alleinerbe bestimmt worden sei. Dieses Testament war zwar verschwunden, der vermeintliche Alleinerbe behauptete aber, er könne durch einen Zeugen nachweisen, dass das Testament ordnungsgemäß handschriftlich erstellt worden sei. Da der Zeuge das neue Testament jedoch nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern der Erblasser ihm nur davon erzählt hatte, konnte er weder den genauen Inhalt des Testaments widergeben, noch bestätigen, dass das Testament handschriftlich verfasst und unterschrieben worden war. Dies reichte dem Oberlandesgericht München nicht aus.

Wer sich auf den Widerruf eines Testaments beruft, muss diesen auch beweisen

Dass der Nachweis eines verschwundenen Testaments auch gelingen kann, zeigt der Beschluss des OLG Naumburg vom 29.03.2012 (Az. 2 Wx 60/11). In diesem Fall hatte der Neffe des Erblassers einen Erbschein beantragt und eine Kopie des Originaltestaments vorgelegt. Dem Amtsgericht Naumburg reichte dies nicht aus, um einen Erbschein auszustellen, da es nicht feststellen konnte, dass das Original tatsächlich vom Erblasser stammte und nur verloren gegangen und nicht vom Erblasser vernichtet worden war. Das OLG Naumburg erhob schließlich Beweis durch Vernehmung der Ehefrau des Neffen als Zeugin. Diese konnte sehr genau beschreiben, wie der Erblasser das Testament während eines Krankenhausaufenthalts in ihrem Beisein verfasst und ihr und ihrem Ehemann anschließend ausgehändigt hatte, mit der Bitte das Originaltestament zu kopieren und ihm das Original zurückzugeben. Die Aussage der Zeugin überzeugte das Gericht, so dass es im Folgenden davon ausging, dass das Originaltestament noch existierte und Gültigkeit habe. Als Frage der Beweislast wertete das OLG Naumburg jedoch den Einwand, es sei nicht sicher, dass der Verstorbene sein Testament nicht doch in Widerrufsabsicht vernichtet habe. Das Gericht wies darauf hin, dass derjenige, der sich auf den Testamentswiderruf berufe, diesen auch zu beweisen habe.

In beiden Fällen handelt es sich um Einzelfallentscheidungen, die durchaus auch anders ausgehen hätten können. Wer sich also auf ein verschwundenes Testament beruft, bzw. auf dessen Widerruf, dem sei der Gang zum Rechtsanwalt dringend angeraten. Denn nur ein Rechtsanwalt kann die Beweisschwierigkeiten und Erfolgschancen angemessen beurteilen. Wer dagegen als Erblasser sicher gehen will, dass sein Testament aufgefunden wird, der sollte sein Testament beim Nachlassgericht hinterlegen.

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