Bußgeld gegen Youtuber – verbotene Eigenwerbung

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03.07.2017 15:39 Uhr
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Bußgeld gegen Youtuber – verbotene Eigenwerbung

Gegen den Youtuber und Infleuencer „Flying Uwe“ hat die Landesmedienanstalt ein Bußgeld in Höhe von 10.500 Euroverhängt. Er hatte in mehreren YouTube-Videos Produkte seines eigenen Unternehmens vermarktet und die Videos nicht als Dauerwerbesendung gekennzeichnet.
Fragwürdige Werbung in eigener Sache
Der Youtuber, der auf seinem Kanal mit über 1,4 Millionen Followern über Themen wie Fitness und Kampfsport spricht, hatte in einigen Videos auch Fitnessbekleidung und Nahrungsergänzungsmittel präsentiert. In das Visier der Medienwächter gerieten diese Videos vor allem, weil Flying Uwe selbst Geschäftsführer des vertreibenden Unternehmens ist. Die zuständige Landesmedienanstalt sah darin eine unlautere Eigenwerbung und damit einen Verstoß gegen das Werberecht. In der Folge muss der YouTube-Star nun ein Bußgeld in Höhe von rund 10.000 Euro zahlen.
Gesetzliche Kennzeichnungspflichten
Unterschiedliche gesetzliche Grundlagen normieren Kennzeichnungspflichten für Produktplazierung auf Internetplattformen und sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram.
Unstreitig bestehen solche Kennzeichnungspflichten immer dann, wenn Blogger und Infleuencer für die Präsentation und Vermarktung verschiedener Produkte bezahlt werden. Genauso  verhält es sich, wenn eigene Produkte ohne Kennzeichnung als Werbung beworben werden.
Schwieriger wird es dann, wenn die Produkte zwar selbst gekauft werden, trotzdem aber auf den eigenen Blog oder YouTube-Kanal  bewertet und mitunter auch beworben werden. Die Abgrenzung zwischen freier Meinungsäußerung und sachlicher Bewertung eines Produktes auf der eine Seite und unlauteren Schleichwerbung auf der anderen ist häufig nicht einfach.
verbotene Werbung trotz Eigenkauf
Entgegen der Meinung vieler Youtuber und Infleuencer können auch Kennzeichnungspflichten bei selbst gekauften Produkten entstehen.
Aufgrund der hohen Einflusskraft der Infleuencer kann eine Beeinflussung des Kaufverhaltens angenommen werden, selbst wenn der Infleuencer selbst in keinem Vertragsverhältnis mit dem Hersteller steht.
Hat aber der Beitrag, in dem das Produkt dargestellt wird, einen starken werblichen Charakter, dann kommt es nicht darauf an, ob der Infleuencer dafür eine Gegenleistung vom Hersteller erhält. Abgestellt wird auf den Empfängerhorizont der Verbraucher. Eine Schleichwerbung kann daher dennoch angenommen werden.
Was ist noch Meinung und was schon Werbung?
Abonnenten verschieden Youtube-Channels oder Instagramprofile werden bei Produktbewertungen wohl in erster Linie davon ausgegeben, dass neutrale Meinungen kundgegeben werden. In der Folge ist nicht gekennzeichnete Werbung grundsätzlich geeignet, den Verbraucher in seiner Kaufentscheidung zu beeinflussen, gerade weil er von der Objektivität und Authentizität der Aussagen ausgeht.
Die Grenze zwischen werbenden Aussagen und reiner Meinungsäußerung zu ziehen ist dabei sehr schwierig. Es gilt: Sobald ein Produkt in übermäßig positiver Weise angepriesen wird, Kaufempfehlungen ausgesprochen werden oder sogar Werbeslogans übernommen werden, kann von einem werbenden Charakter des Beitrages ausgegangen werden. In der Folge ist der Beitrag kennzeichnungspflichtig.
In Anbetracht der medialen Aufmerksamkeit, Einflussnahme und steigenden Professionalität müssen sich auch Youtuber und Infleuencer mit ihrer wachsenden Verantwortung auseinandersetzen. Das Social Media ist schon längst kein rechtsfreier Raum mehr und muss sich auch den Vorgaben des Werbe- und Wettbewerbsrechts unterwerfen.

Weitere Informationen zum Thema Schleichwerbung erhalten Sie unter: https://www.rosepartner.de/schleichwerbung-product-placement.html

Rechtsgebiete: 
Internetrecht; Wettbewerbsrecht
Werberecht
Schlagworte: 
Wettbewerbsrecht
Werberecht
Schleichwerbung
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