Handschriftliches Testament - Veränderungen, Ergänzungen

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15.03.2017 11:02 Uhr
Fachanwalt für Erbrecht Dr. Stefan Günther, Frankfurt am Main
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Handschriftliches Testament - Veränderungen, Ergänzungen

In der Regel hat das handschriftliche Testament entsprechend § 2247 BGB für dessen Wirksamkeit mit dem Namenszug des Testators abzuschließen. Andere Formen der Zeichnung mit der Unterschrift, gleich ob am Rand oder oberhalb des Textes reichen nicht aus, um den Urheber mit dem Inhalt der Erklärung rechtssicher in Übereinstimmung bringen zu können. Andernfalls könnte es rein theoretisch möglich sein, dass eine Divergenz zwischen dem Urheber und dem Unterzeichner der Erklärung entsteht.

Im Gegenteil dazu sind Veränderungen im vorstehenden Text, die durch eine Streichung erfolgen können, unproblematisch, da sie durch die nachfolgende Unterschrift des Erblassers gedeckt sind. Eine von einem fremden Dritten - nicht dem Willen des Testierenden entsprechend - vorgenommene Abänderung würde dagegen eine allein strafrechtlich relevanten Urkundenfälschung im Sinne von § 267 StGB darstellen, die keine erbrechtliche Relevanz besitzt. Ebenso lassen Erklärungen bzw. Erläuterungen, die hinter der Unterschrift des Erblasser angebracht sind, die Wirksamkeit des eigenhändigen Testaments nicht entfallen.Hier geht man davon aus, dass es dem Erblasser nur daran gelegen ist, seine vorstehende Erklärung zu erläutern, ggf. seine Motive oder Gründe mitzuteilen, nicht jedoch deren Inhalt abzuändern.

Anders gelagert sind die Fälle, bei denen der Erblasser nach seiner Unterschrift einen neuen Erklärungsbestandteil anbringt. Z.B. die vorstehende Erbfolge abändert, eine Teilungsanordnung oder ein Vermächtnis ausspricht. Würde man den vorstehend beschriebenen, strengen gesetzlichen Vorgaben folgen, wäre das Testament per se unwirksam. In der Rechtsprechung (BGH NJW 1974, 1083 f.) wird aber danach unterschieden, ob sich der Nachtrag zusammen mit der Unterschrift auf demselben Blatt befindet oder nicht. Liegen Unterschrift und Erklärung also auf derselben Seite, geht der BGH davon aus, dass wegen der räumlichen Nähe zur Unterschrift die Änderung noch vom Willen des Erblassers gedeckt ist. Ist das handschriftliche Testament allerdings über mehrere Seite angelegt, kann dieser Schluss wegen der fehlendem räumlichen Nähe zur Unterschrift nicht mehr gezogen werden. Der Zusatz ist dann unwirksam und kann im ungünstigsten Fall zu einer nicht verwertbaren Willensbekundung werden. Für nähere Informationen:https://www.erbrecht-anwalt-wiesbaden.de

Rechtsgebiete: 
Erbrecht
Anwaltshaftung
Schlagworte: 
Fachanwalt Erbrecht
Erbrecht
handschriftliches Testament
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